Eine sehr österreichische, eine sehr regionale Geschichte scheint dies zunächst zu sein, eine Geschichte, die möglicherweise außerhalb schon von Kärnten niemand zu interessieren mag. Scheint. Es ist ein Film aus einer Zeit, in der alpine Skimeisterschaften noch im "Sommer", und dann in Chile stattgefunden haben, eine Zeit aber auch, in der schon Österreicher die Topathleten stellten. Und Athletinnen. Selbige war Erika Schinegger, und sie hatte einen derart rasanten Drive, daß sie 1967 Weltmeisterin in der Abfahrt war. Eine Schönheit sei sie nicht, das dachten manche über die Person mit dem markanten Gesicht, die sich -- im Gegensatz zu ihren Kolleginnen -- auch noch hilflos weiblich zu kleiden versuchte, in unpassenden Dirndls etwa. Das hatte einen Grund: Erika spürte, daß etwas mit ihr nicht in Ordnungwar, und das äußerte sich nicht nur in der ausbleibenden Regel. Nein, sie interessierte sich auch für Mädchen und hielt sich für lesbisch. Doch letztlich war sie etwas, was man als "sexuelle Zwischenstufe" bezeichnete, sie war ein Mann: ihr Penis war in den Körper eingewachsen, und was man für Schamlippen hielt, war der Hodensack, nur ohne Hoden eben. Erst mit einem durch das IOC eingeführten "Sextest" kam das ans Tageslicht, da hatte Erika bereits 19 Jahre verbracht, ob sie glücklichwaren, will der Mann, der nun Erik Schinegger heißt, nicht sagen.
Sprechen will er -- in der Geschichte, die nun längst eine allmenschliche Komponentebekommen hat -- über die Möglichkeit, in einem kleinen Kaff mittels Operation zum richtigen Geschlecht zu gelangen, nicht von der Frau zum Mann, wie er betont. Und sprechen will er davon, wie er sich als Mann ausgelebt hat, wie er nach 20 verschenktenJahren endlich das war, was er war. Und dabei reift im Zuschauer wieder einmal dieErkenntnis, die hoffentlich anhält: daß es nichts gibt, was "normal" ist. Solange die Normalität sich an dem mißt, was man für Mehrheit hält.